Bestandsaufnahme zur maschinenlesbaren Jahresrechnung in der Schweiz · 255 öffentliche Dokumente, jede Angabe mit Quelle und Datum

Bestandsaufnahme · 5. August 2026 · Serie in 14 Teilen

Zwei Standards, 26 Kantone

Das Format ist publiziert. Was zwischen einer fertigen Datei und einer angenommenen Einreichung liegt, haben wir aus 255 primären Dokumenten zusammengetragen — eine Serie in 14 Teilen, jede Angabe mit Quelle und Datum.

29'941 WörterSerie in 14 Teilen38 datierte Quellen11 Prognosen mit FalsifikatorKeine Steuerberatung

Der Ausgangspunkt. eCH, die Schweizerische Steuerkonferenz und swissdec haben die Standards für die maschinenlesbare Jahresrechnung juristischer Personen publiziert; die Kantone entscheiden, was ihre Portale entgegennehmen. Diese Reihe geht nicht den Formaten und nicht dem Föderalismus nach, sondern drei dokumentierten Zulassungsbedingungen: einem Login, einem Vertrag und einer fehlenden Anleitung.

Zwei Spuren, nicht ein Format. Die swissdec-Transmitter-Spezifikation (Ausgabe 06.03.2026) beschreibt in ihrer Kommunikationsmatrix vier Zeilen: das ERP schickt XBRL in eine kantonseigene Deklarationslösung (DeclareRawBalanceSheet), die Deklarationslösung schickt eCH-0276 an Haupt- und Nebensteuerdomizile (DeclareBalanceSheet). Warum es zwei Formate gibt, steht nicht in der Prosa, sondern im Zustandsautomaten: die XBRL-Spur kennt einen Zustand CompletionReleaseMissing und ein Completion-Element, das einen Browser öffnet, damit ein Mensch ergänzt und freigibt. Die eCH-0276-Spur kennt beides nicht. XBRL sind rohe Zahlen in ein Formular, das ein Mensch noch fertigmachen muss — das Wort Raw steht im Operationsnamen. eCH-0276 ist die fertige Deklaration. Auf Programmebene sind es sogar drei Artefakte: der Umsetzungsplan der Digitalen Verwaltung Schweiz nennt zusätzlich eCH-0217 für die Mehrwertsteuer.

Drei Tore. (1) Der Vertrag: «Aus vertragsrechtlichen und statuarischen Gründen seitens Swissdec können aktuell nur kantonseigene Deklarationslösungen die E-Bilanz via Distributor elektronisch empfangen. Für die Anbindung von privaten Deklarationslösungen an den Distributor müssen zuerst die vertraglichen Grundlagen geschaffen werden.» Das Wort «zuerst» setzt ein «dann» voraus. (2) Die Zertifizierung: sechs von sieben Operationen der WSDL tragen den Vermerk «This operation must be signed by: ERP Certificate»; jede Nachricht trägt Herstellername und eine Zertifikatsnummer «wie auf dem physischen Zertifikat abgebildet» — ein Zulassungsregister pro Hersteller. (3) Die Identität: die Swissdec-Unternehmens-Authentifizierung stützt die Identität eines Unternehmens auf «eine bestehende Geschäftsbeziehung … zu einer Versicherung»; in Zürich repräsentiert ein AGOV-Konto «immer eine natürliche Person», und der Weg in den papierlosen Kanal führt durch einen Brief mit physischem Zugangscode.

Die Kantone. Aus der Kantonsmatrix eines Herstellers (Stand 03.07.2026), 26 von 26 Zeilen ausgezählt: JP-Übermittlung aus Drittsoftware möglich in 14 Kantonen, nicht möglich in 12 — darunter Zürich. Bei natürlichen Personen sind es 25 von 26. Die Lücke beträgt elf Kantone. In Genf ist die elektronische Einreichung seit 2020 obligatorisch, im Tessin seit dem 1.1.2024 per Gesetz (Art. 198 Abs. 2bis LT). Vier verschiedene Unterschriftsregimes, Korrekturfenster von null bis zehn Tagen.

Obwalden. Vier Steuerperioden Vorsprung — und die unterzeichnete PDF-Jahresrechnung ist nie verschwunden: «Ohne Jahresrechnung kann die Steuererklärung nicht eingereicht werden.» Die E-Bilanz füllt das Formular; sie ersetzt das Dokument nicht. Der Kanton mit dem Vorsprung hat den Weg, auf dem er den Vorsprung hatte, ab Steuerperiode 2025 verlassen.

Für Implementierende. Drei eCH-0276-Schemata sind gleichzeitig im Umlauf. Zwei davon tragen denselben Namensraum und dieselbe Schema-Versionsangabe version="0" und unterscheiden sich in 13 entfernten, 15 neuen Elementen — und in 88 stillen Datentypwechseln von xs:long nach xs:decimal. Das Element TestCase, das die Richtlinien zweimal verlangen, kommt in keinem der 35 mitgelieferten Schemata und in keinem der 11 Beispiele vor. Wir kennen diese Form von Loch: in Deutschland haben wir sechs Erklärungen verloren, weil ein fehlendes Testmerkmal nicht als Fehler galt.

Offenlegung. Wir sind ein deutsches Einzelunternehmen aus Köln. Wir haben nie eine Datei in ein kantonales Portal importiert und nie einen Aufruf an den Swissdec-Distributor gesendet, nicht einmal Ping. Unser eigener Generator besteht 42 von 42 Pfaden gegen das publizierte Schema, 40 von 42 gegen das swissdec-Schema und 39 von 42 gegen den V2.0.0-Entwurf. Diese Zahl steht hier, weil sie gegen uns spricht.


Inhalt

Jedes Kapitel steht für sich. Wer die Reihe als Ganzes liest, sieht den Zusammenhang, auf den es ankommt — die drei Tore hängen zusammen, und keines davon ist technisch. Die ganze Reihe als PDF.

11 · Die These — und wie man sie widerlegtWas dieser Text behauptet — und was ihn widerlegen würde. Die These steht mit ihren Falsifikatoren zusammen, nicht ohne sie.Teil 122 · Zwei Spuren, drei Artefakte — und warum es zwei Formate gibtWarum es zwei Formate gibt. Die Antwort steht nicht in der Prosa, sondern im Zustandsautomaten: eine Spur kennt einen Freigabeschritt für einen Menschen, die andere nicht.Teil 233 · Drei Tore, nicht einesEin Login, ein Vertrag, eine fehlende Anleitung. Drei Stellen, an denen der Weg heute unterbrochen ist — jede davon dokumentiert.Teil 344 · Zürich, gelesen als Norm — was in LS 631.121 wirklich stehtDie Zürcher Verordnung LS 631.121, gelesen als Norm statt als Ankündigung: was «rechtsgültig eingereicht» dort tatsächlich heisst.Teil 455 · Was «rechtsgültig» operativ heisst — die IdentitätsschichtDie Identitätsschicht. Ein Login, das nach Auskunft des Kantons «immer eine natürliche Person» repräsentiert — und was daraus für eine Treuhand folgt.Teil 566 · Die Nullzählung — sechs Begriffe, 33'000 Wörter, sechs NullenDie Auszählung: sechs Begriffe, sechs Nullen, über rund 33'000 Wörter kantonaler Dokumentation. Mit Methode, Korpus und Datum.Teil 677 · 26 Kantone — die Tabelle, und was sie über Zürich sagtDie Tabelle über alle 26 Kantone — wer eine Erklärung aus Drittsoftware entgegennimmt und wer nicht. Zürich gehört nicht zu den Frühen.Teil 788 · Obwalden — vier Steuerperioden Vorsprung, und was sie nicht gekauft habenObwalden hat vier Steuerperioden Vorsprung. Was dieser Vorsprung gekauft hat — und was nicht.Teil 899 · Der Föderalismus ist kleiner als sein Ruf — und grösserDer Föderalismus ist auf der Regelebene deutlich kleiner als sein Ruf und auf der Zustellebene deutlich grösser. 1'390 von 1'432 Regeln sind gemeinsam.Teil 91010 · Ein Kapitel für Implementierende — die Drift, und das Loch, das wir kennenFür Implementierende: die stille Schema-Drift, die gleiche Versionsangabe über verschiedenen Elementbeständen, und das Loch, das wir kennen.Teil 101111 · Die Aktiengesellschaft, die in der Taxonomie nicht vorkommtEine Rechtsform, die in der Taxonomie nicht vorkommt — und was das über den Reifegrad des Artefakts sagt.Teil 111212 · Was wir gebaut haben — und was es nicht kannWas wir gebaut haben, wofür es taugt, und wo es an genau der Stelle aufhört, an der die offenen Fragen anfangen.Teil 121313 · Offenlegung — was wir nicht getan habenOffenlegung: wer das schreibt, was wir hier verkaufen (nichts) und was wir nie getan haben.Teil 131414 · Prognosen — Klasse, Note, FalsifikatorElf datierte Vorhersagen, jede mit Klasse, Note und Falsifikator — und die Regel, warum keine davon die Bestnote tragen darf.Teil 14QQuellenAlle 38 Quellen mit Datum, dazu der redaktionelle Hinweis.Belege